Bund zur Zahlung für Masken verurteilt – Die COVID-Pandemie, die Beschaffung von Schutzmasken durch den Bund, die Anwendung des CISG und die Preisverordnung
Zum Urteil des LG Bonn, 21.05.2025, 1 O 184/21, nicht rechtskräftig (Berufung eingelegt unter Az: U 23/25 bei OLG Köln)
Kürzlich hat das Landgericht (LG) Bonn die Bundesrepublik verurteilt, EUR 3,6 Mio als Kaufpreis für gelieferte Schutzmasken nebst Zinsen i.H.v. 9 Prozentpunkten über den Basiszinssatz zu zahlen . Das Urteil reiht sich ein in eine Reihe von Entscheidungen, die gerade auch auf politischer Ebene für Aufsehen sorgen.
Unsere Kanzlei, vertreten durch die Unterzeichnerin, hat darin die Klägerin, ein spanisches Unternehmen, welches Masken an die Bundesrepublik geliefert hatte, erfolgreich vertreten. In dem grenzüberschreitenden Fall hatte der Bund Masken in Spanien geordert, aber später die Bezahlung verweigert. Zu Unrecht, wie nun das LG Bonn urteilte.
Dieses Urteil stellt wichtige Weichen u.a. für die internationale Vertragspraxis. Denn auf Grund des grenzüberschreitenden Bezugs kam das UN-Kaufrecht (CISG) zum Tragen.
1. Zum Sachverhalt
Zu Beginn der COVID-19-Pandemie überstieg die weltweite Nachfrage nach Schutzmasken bei weitem das Angebot. Der Preis ist kurzfristig erheblich gestiegen. Die Republik China war damals mit großem Abstand der Hauptproduzent von Masken. Die Masken nach chinesischem Standard sind als KN95 bekannt und mit den hierzulande bekannten FFP2 Masken vergleichbar. Um die enorme Nachfrage in Deutschland zu decken, führte der Bund ein öffentliches Beschaffungsverfahren, ein sogenanntes Open-House-Verfahren durch. In diesem Verfahren verpflichtete sich der Staat, Verträge mit allen Anbietern abzuschließen, die innerhalb der festgelegten Frist ein gültiges Angebot abgaben. Die KN95-Masken wurden in Europa kurzfristig zugelassen. Der Bund legte einen (hohen) Festpreis von EUR 4,50 netto pro Maske fest, was viele interessierte Unternehmen, auch aus dem Ausland anzog. Unsere Mandantin, eine spanische Gesellschaft erhielt den Zuschlag für die Lieferung von einer Million Masken.
Doch der Bund war schnell überfordert mit der hohen Anzahl der Lieferungen. Es folgten Mängelanzeigen, welche auf Prüfverfahren beruhten, die nicht den vertraglich vereinbarten Standards entsprachen. Gleichzeitig erklärte der Bund den Rücktritt von zahlreichen Verträgen, darunter auch von dem mit unserer Mandantin geschlossenen Vertrag. Nur ein geringer Anteil der Masken wurde bezahlt.
2. Die Entscheidung des LG Bonn
Der Bund wurde verurteilt, den vereinbarten restlichen Kaufpreis der Masken (EUR 3,6 Mio.) und Verzugszinsen in Höhe von 9 Prozentpunkten über den Basiszinssatz zu zahlen.
Das LG Bonn stellte zunächst fest, dass das CISG (UN-Kaufrecht) auf den in unserem Fall vorliegenden Kaufvertrag vorrangig zum deutschen materiellen Recht anzuwenden ist.
2.1. Die Preisverordnung
Anschließend stellte sich die Frage, ob der Vertrag aufgrund eines etwaigen Verstoßes gegen die VO PR Nr. 30/53 a.F, (Preisverordnung), welches ein Verbotsgesetz gem. § 134 BGB darstellt, (teil)nichtig sein könnte. Die Preisverordnung bestimmt, dass der Preis bei Aufträgen der öffentlichen Hand nicht höher sein darf als der nach deren Bestimmungen zulässige Preis. Ein Verstoß gegen die Preisverordnung, wenn die Lieferung bereits erfolgt ist, hat grundsätzlich die „Teilnichtigkeit“ zur Folge, die so verstanden werden soll, dass der Vertrag bestehen bleibt, der Preis aber bis zur Höhe des zulässigen Preises reduziert wird.
Nach Überzeugung des LG Bonn hat der Bund nicht beweisen können, dass der vereinbarte Kaufpreis höher als der zulässige Preis gewesen sei; und selbst dann, wäre es dem Bund im vorliegenden Fall nach Ablauf von 5 Jahren ausnahmsweise nach Treu und Glauben verwehrt, sich hierauf zu berufen. Unsere Mandantin hatte unter widrigsten Umständen geliefert und alle Kosten der Lieferung (damals auch sehr hoch) getragen. Der Bund hat den Preis selbst festgelegt. Eine erhebliche Reduzierung des Preises würde in diesem Fall gegen Treu und Glauben verstoßen.
Das LG Bonn hat sich allerdings nicht mit der Frage auseinandergesetzt, ob die Preisverordnung im Rahmen des CISG im konkreten Fall anwendbar sein kann. Das CISG bestimmt in Art. 4 litt. a) zum sachlichen Geltungsbereich zwar, dass das CISG die Gültigkeit des Vertrages oder einzelner Vertragsbestimmungen oder die Gültigkeit von Gebräuchen, nicht umfasst. Es stellt sich aber die Frage, wie die „Gültigkeit“ von Verträgen oder Vertragsbestimmungen auszulegen sei. Soll der Begriff nach dem nationalen Recht oder autonom ausgelegt werden? Es stellt sich die Frage, ob eine „Teilnichtigkeit“, die lediglich die Herabsetzung des Kaufpreises bei Bestand des Vertrages zur Folge haben soll, auch vom Art. 4 Litt a) CISG umfasst wird. Das LG Bonn ist bedauernswerterweise hierauf nicht eingegangen. Im Ergebnis ist der Entscheidung trotzdem zuzustimmen.
2.2. Das CISG
Bei der Anwendung des CISG besteht ein Anspruch der Lieferantin auf Zahlung des Kaufpreises. Das CISG sieht strenge Fristen für Mängelrügen vor (Art. 38,39 CISG) und für die Erklärung der Vertragsaufhebung vor; es begrenzt zudem die Gründe für die Vertragsaufhebung erheblich (Art. 49 CISG). Die Bestimmungen des CISG können – vereinfacht gesagt – nicht in jedem Fall in allgemeinen Geschäftsbedingungen abgedungen werden.
Die Vertragsaufhebung war im konkreten Fall unwirksam, weil der Bund keine Gelegenheit zur Nachlieferung gegeben hatte, die Aufhebungserklärung nicht innerhalb einer angemessenen Frist erfolgte (4 Wochen) und bereits keine wesentliche Vertragsverletzung vorlag.
3. Empfehlung für die Praxis
Die Geltung des CISG war für unsere Mandantin im Ergebnis vorteilhaft. Viel zu oft wird das CISG in internationalen Kaufverträgen ausgeschlossen. Ob dies immer die richtige Entscheidung ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. Eine fachlich fundierte Rechtsberatung ist unerlässlich.
Bitte beachten Sie: Dieser Newsletter kann keine Beratung im Einzelfall ersetzen.
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El Estado alemán condenado a pagar por mascarillas .
Sentencia del Tribunal Regional de Bonn, 21 de mayo de 2025, 1 O 184/21 (no firme, apelación presentada ante el OLG Köln, U 23/25).
Recientemente, el Tribunal de Bonn ha condenado al Estado alemán a pagar el precio de compra de EUR 3,6 Mio. por las mascarillas suministradas e intereses del 9 por ciento sobre el tipo de interés básico. La sentencia se suma a una serie de decisiones que están causando revuelo, especialmente a nivel político.
Nuestro bufete, representado por la abajo firmante, ha representado con éxito a la demandante, una empresa española que había suministrado mascarillas a la República Federal de Alemania. En este caso transfronterizo, el Gobierno federal había encargado mascarillas en España, pero posteriormente se negó a pagarlas. Indebidamente, según ha dictaminado ahora el Tribunal Regional de Bonn.
Esta sentencia sienta, entre otras cosas, importantes precedentes para la práctica contractual internacional. Pues debido al carácter transfronterizo de la transacción, se aplicó la Convención de las Naciones Unidas sobre los Contratos de Compraventa Internacional de Mercaderías (CISG).
1. Los hechos
Al comienzo de la pandemia de COVID-19, la demanda mundial de mascarillas protectoras superaba con creces la oferta. Su precio aumentó considerablemente en poco tiempo. En aquel momento, China era, con diferencia, el principal productor de mascarillas. Las mascarillas que cumplen el estándar chino se conocen como KN95, comparables a las FFP2.
Para satisfacer la demanda en Alemania , el Estado alemán llevó a cabo un procedimiento de contratación pública, denominado «Open- House-Verfahren». En este procedimiento, el Estado se comprometía a celebrar contratos con todos los proveedores que presentaran una oferta válida dentro del plazo establecido. La importación de mascarillas KN95 fue autorizada en Europa a corto plazo. El Estado alemán fijó un precio fijo (elevado) de EUR 4,50 netos por mascarilla, lo que atrajo a muchas empresas interesadas, también del extranjero. Nuestra cliente, una empresa española, se adjudicó el contrato para el suministro de un millón de mascarillas.
Sin embargo, el Estado federal se vio rápidamente desbordado por el elevado número de entregas. Pronto se presentaron reclamaciones por defectos basadas en procedimientos de control de la calidad que no se ajustaban a las normas acordadas contractualmente. Al mismo tiempo, el Gobierno alemán declaró la rescisión de numerosos contratos, entre ellos el de nuestra clienta. Solo se pagó una pequeña parte de las mascarillas.
2. La sentencia del Tribunal de Bonn
El Estado fue condenado a pagar el precio de compra acordado por las mascarillas (EUR 3,6 Mio.), más intereses de demora del 9 por ciento sobre el tipo de interés básico del banco central.
El Tribunal de Bonn determinó, en primer lugar, que el CISG (Convención de las Naciones Unidas sobre los Contratos de Compraventa Internacional de Mercaderías), en este caso, era aplicable al contrato de compraventa con prioridad sobre el derecho material alemán.
2.1. Reglamento de precios del sector público
A continuación, se planteó la cuestión de si el contrato podría ser (parcialmente) nulo debido a una posible infracción del Reglamento n.º 30/53, en su versión aplicable (Reglamento sobre precios), según el artículo 134 del Código Civil alemán (BGB). Dicho reglamento establece que el precio de los contratos públicos no puede ser superior al precio admisible según sus disposiciones. El incumplimiento del Reglamento de precios, una vez realizada la entrega, tiene como consecuencia la «nulidad parcial» del contrato, que debe entenderse en el siguiente sentido: El contrato sigue vigente, pero el precio se reduce hasta el importe del precio admisible.
Según el Tribunal regional de Bonn, el Estado federal no ha demostrado de manera fehaciente que el precio de compra acordado hubiera sido superior al precio admisible, e incluso si hubiera podido demostrarlo, el Estado no podría invocarlo de forma excepcional, pues contradiría el principio de buena fe. Nuestra cliente había realizado la entrega en circunstancias muy adversas y había asumido todos los gastos de envío (en aquel momento muy elevados). El Estado fijó el precio libremente. Una reducción considerable del precio, sería contraria a la buena fe.
Lamentablemente el Tribunal de Bonn no ha abordado la cuestión de si el Reglamento de precios en el sector público es aplicable en el marco del CISG. El artículo 4, apartado a), del CISG establece ciertamente que el ámbito de aplicación material de la CISG no incluye la validez del contrato o de disposiciones contractuales individuales ni la validez de los usos. Sin embargo, cabe preguntarse cómo debe interpretarse el concepto «validez».¿Debe interpretarse el término de acuerdo con el Derecho nacional o de forma autónoma?
Cabe preguntarse si una «nulidad parcial», que solo reduce el precio de compra sin anular el contrato, está incluida en el artículo 4, letra a), del CISG. El Tribunal no se ha pronunciado al respecto, con lo que la pregunta queda sin contestar. No obstante, la decisión es acertada.
2.2. El CISG
En aplicación del CISG, la proveedora tiene derecho al pago del precio de compra. El CISG establece plazos estrictos para la reclamación de defectos (artículos 38 y 39 CISG) y para la declaración de resolución del contrato, y limita considerablemente los motivos de resolución del contrato (artículo 49 CISG). Las disposiciones del CISG no pueden excluirse en todo caso – dicho de forma sencilla – mediante las condiciones generales de contratación.
En el caso concreto, la rescisión del contrato era ineficaz porque el Estado no había dado la oportunidad de realizar una nueva entrega, la declaración de rescisión no se había realizado en un plazo razonable (4 semanas) y no se había producido un incumplimiento sustancial del contrato.
3. Recomendación práctica
Para nuestra cliente, la aplicación del CISG resultó ventajosa. En los contratos de compraventa internacionales se excluye con demasiada frecuencia el CISG. No se puede responder de forma generalizada si ésta es siempre la decisión correcta.Es imprescindible contar con un asesoramiento jurídico especializado.
Por favor, tenga presente que esta Newsletter no puede sustituir un asesoramiento en el caso concreto.
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